Geschichten aus dem Chorleben - Teil 4
Die Wette
Die Summe steigt …
und steigt …
und steigt …
Innerhalb weniger Tage ist die 1000‑€‑Grenze geknackt.
Ulla ist fassungslos.
So viel Geld.
Und vor allem: so viel Zuneigung, so viel Wertschätzung!
Doch es hört nicht auf.
Die Summe wächst weiter.
Und sieben Tage nach dem Start der Aktion ist es so weit:
„Wir haben die Zielsumme erreicht.“
Damit hat niemand gerechnet.
Wirklich niemand.
Die Freude ist riesig.
Im ganzen Chor.
Spontan wird entschieden:
Heute wird gefeiert.
Es ist die erste Probe nach den Osterferien.
Doch an konzentriertes Singen ist kaum zu denken.
Um halb zehn wird die Probe beendet.
Ungewöhnlich früh.
Gläser werden gefüllt.
Und dann wird angestoßen.
Auf das Projekt.
Auf den Mut.
Und auf das, was vor ihnen liegt.
Auf einen neuen Abschnitt im Chorleben.
Doch die Geschichte ist noch längst nicht zu Ende.
Die Summe steigt weiter.
Schon am nächsten Tag liegt sie über der Zielsumme.
Und genau da schreibt Arno Ulla eine Nachricht:
„Ich hab doch von Anfang an gesagt:
Wir knacken auch die 4000 €.“
Ulla bleibt skeptisch.
„Das wird nicht klappen.“
Doch Arno ist sich sicher:
„Wir haben einfach die beste Crowd.
Die besten Fans.
Und die besten Leute um uns herum.“
Ulla bleibt bei ihrer Einschätzung.
Und genau daraus entsteht sie:
die Wette.
Arno lehnt sich ein wenig zurück –
innerlich grinsend:
„Wenn ich recht behalte, lädst du mich zum Kaffee ein.
Und ich hätte gern Bienenstich.“
Ulla reagiert sofort.
„Kein Problem.
Aber wir machen das richtig.“
Eine kurze Pause.
Dann legt sie fest:
„Bleiben wir unter 3900 €,
lädst du mich ein.
Alles darüber …
geht auf mich.“
Ein Blick.
Ein Nicken.
Deal. Die Wette gilt.
Und während die beiden noch darüber sprechen,
denkt Ulla leise für sich:
Eigentlich …
würde ich diese Wette gerne verlieren.
Und draußen,
ganz ohne ihr Zutun,
passiert genau das,
woran Arno von Anfang an geglaubt hat:
Die Zahl wächst weiter.
Klick für Klick.
Spende für Spende.
Und mit jedem Euro wird klar:
Hier geht es längst nicht mehr
nur um Geld.
Und irgendwo dazwischen –
ganz leise,
fast unbemerkt –
ist er wieder da.
Der Gedanke an das rote Klavier.... ;-)
Und ganz am Ende bleibt nur noch eine Frage:
Wer wohl die Wette verliert?
Geschichten aus dem Chorleben – Teil 3
Die Entscheidung
Doch bevor irgendetwas wirklich Gestalt annehmen kann,
muss der Chor entscheiden,
ob er das alles überhaupt möchte.
Die Mädels aus dem Vorstand sind sich schnell einig:
Dafür gibt es genau den richtigen Rahmen.
Die Jahreshauptversammlung.
Der Punkt wird ins Programm aufgenommen.
Offiziell.
Unumgänglich.
Kalle nutzt die Zeit bis dahin sinnvoll.
Die Projekt-Homepage bekommt den letzten Schliff.
Hier noch ein Bild.
Da noch eine Formulierung.
Ein bisschen Feinschliff hier, ein bisschen Struktur dort.
Ulla schaut drüber.
Wie immer.
Texte werden geprüft.
Sätze geschärft.
Kleinigkeiten angepasst,
die am Ende den Unterschied machen.
Dann ist er da.
Der Abend der Jahreshauptversammlung.
Kalle steht vorne.
Vor ihm: der Chor.
Und nicht irgendeiner.
Sondern ein Chor, der Fragen stellen kann.
Viele Fragen.
Kalle stellt das Projekt vor.
Er erklärt.
Er zeigt.
Er wirbt.
Und dann geht es los.
Die ersten Hände gehen hoch.
„Was ist, wenn nicht genug Geld reinkommt?“
„Was kostet uns das Ganze überhaupt?“
„Wer kümmert sich darum – und wie lange?“
„Wie lange soll das Projekt laufen?“
„Und ganz ehrlich: Warum brauchen wir plötzlich Mikrofone?“
Fragen.
Viele Fragen.
Und sie kommen nicht vereinzelt.
Sie kommen geballt.
Kalle bleibt ruhig.
Ulla auch.
Und Arno sowieso.
Geduldig beantworten sie alles.
Erklären Zusammenhänge.
Ordnen ein.
Relativieren, wo es nötig ist –
und bleiben klar, wo es wichtig ist.
Die Köpfe laufen heiß.
Es wird diskutiert.
Argumente fliegen durch den Raum.
Vor und zurück.
Hin und her.
Und mittendrin:
Arno.
Kalle.
Ulla.
Die drei sitzen da
und schauen fast ein wenig ungläubig zu,
wie aus ihrer Idee
plötzlich ein Thema für alle wird.
Wie sie wächst.
Wie sie Form annimmt.
Wie sie lebt.
Dann – irgendwann –
kippt die Stimmung.
Nicht laut.
Nicht dramatisch.
Sondern ganz leise.
Die Skepsis wird weniger.
Die Zustimmung mehr.
Man wägt ab.
Man rechnet.
Man denkt weiter.
Und schließlich ist man sich einig:
Das Projekt soll auf den Weg gebracht werden.
Das Risiko scheint überschaubar.
Die Bereitschaft ist da.
Und wenn es am Ende knapp wird –
dann findet sich eine Lösung.
Zur Not gemeinsam.
Aus dem Chor heraus.
Ein wichtiger Moment.
Denn ab jetzt gibt es kein „Vielleicht“ mehr.
Ab jetzt heißt es:
Wir machen das.
Und so nimmt das Schicksal seinen Lauf.
Kalle nimmt Kontakt mit der Volksbank auf,
damit das Projekt freigeschaltet werden kann.
Parallel dazu passiert etwas,
das im Chor eigentlich nie lange dauert:
Es werden Unterstützer gesucht.
Menschen, die sagen:
„Ja, wir stehen dahinter.“
Und wie so oft zeigt sich:
Auf diese Crowd ist Verlass.
Innerhalb kürzester Zeit ist alles geregelt.
Die Liste gefüllt.
Die Unterstützung gesichert.
Und dann kommt dieser Moment:
Dienstag nach Ostern.
Die Volksbank gibt grünes Licht.
Ab jetzt wird es ernst.
Die ersten Spenden können eingehen.
Und ab da passiert etwas,
das den Chor in den nächsten Tagen begleitet:
Man schaut.
Immer wieder.
Auf den Spendenstand.
Ein Klick.
Noch ein Klick.
Und noch einer.
Hat sich was getan?
Ist jemand dazugekommen?
Wie weit sind wir schon?
Gebannt verfolgen alle das Projekt....
Arno und das rote Klavier
Arno, der Chorleiter der Different Voices, hatte zwei große Leidenschaften: Gospelmusik – und ein ganz bestimmtes Instrument. Ein rotes Nord Keyboard. Seit Jahren war es sein heimlicher Traum, sein musikalisches Einhorn, seine feuerrote Vision.
Wo immer die Different Voices auftraten, schien dieses Klavier plötzlich überall zu sein. Bei Konzerten, Workshops oder anderen Chorveranstaltungen stand es da, glänzend, rot, fast schon provokant schön. Und jedes Mal blieb Arno kurz stehen, zeigte mit dem Finger darauf und sagte zu seinen Chormitgliedern:
„Schaut mal – das ist mein Traumklavier.“
Die Chormitglieder kannten dieses Ritual inzwischen gut. Einige nickten höflich, andere lächelten wissend, manche konnten den Satz bereits leise mitsprechen.
Einige gingen sogar noch einen Schritt weiter: Auf dem eigenen, ganz gewöhnlichen Klavier hatten sie augenzwinkernd den Schriftzug „rot“ angebracht – nur für Arno. Seitdem war klar: Auch wenn das Klavier (noch) nicht rot war, der Traum hatte längst seinen Platz im Chor gefunden.
Als die Different Voices schließlich eine Crowdfunding-Aktion starteten, ging es offiziell um ganz praktische Dinge: Mikrofone, Boxen, Verstärker. Technik, die ein Chor nun einmal braucht. Ein rotes Klavier stand nicht auf der Liste. Arno hatte das selbstverständlich akzeptiert – zumindest nach außen. Innerlich jedoch begann er bei jeder neuen Spende zu rechnen.
Das Ziel lag bei 2.500 Euro. Ein ambitionierter, aber realistischer Betrag. Doch dann passierte etwas Wundervolles: Die Spendensumme wuchs schneller als gedacht. Bald waren es schon 3.150 Euro – und dabei blieben noch über 60 Tage Zeit, um weiter zu sammeln. Arno sagte dazu kein Wort. Aber wer genau hinsah, bemerkte, wie sein Lächeln bei dieser Zahl ein kleines bisschen breiter wurde.
Bei den Proben sitzt Arno wie immer am Klavier, lässt Akkorde grooven, gibt Einsätze, trägt den Chor und verleiht jeder Stimme Halt. Die Gospelklänge füllen den Raum – und irgendwo zwischen Sopran und Bass, zwischen Halleluja und Gänsehaut, leuchtet immer wieder dieser eine Gedanke auf: Vielleicht…
Vielleicht reicht das Geld am Ende für alles, was auf der Liste steht. Für Mikrofone. Für Boxen. Für Verstärker.
Und ganz still und heimlich – vielleicht auch für ein rotes Klavier. ?❤️
Geschichten aus dem Chorleben – Teil 2
Die glühweinselige Idee nimmt Gestalt an …
Kalle stürzt sich in die Arbeit.
Und denkt zwischendurch:
„Oh man … was hab ich mir da nur aufgehalst?“
Schnell wird klar:
Das Wichtigste sind Texte und Bilder.
Davon hängt ganz eindeutig der Erfolg der Sache ab.
Nur:
Wie kommt man da ran?
Also muss Kalle wieder Ulla fragen.
Ulla hat zumindest Bilder –
viele Bilder.
Bilder jeglicher Art.
Sie stellt sie Kalle zur Verfügung,
der nun die Qual der Wahl hat
und sich einige geeignete Motive aus dem Wust heraussucht.
Dann kommen die Texte.
Wer schreibt, der bleibt – heißt es so schön.
Aber sie sollen nicht nur geschrieben sein,
sondern auch ansprechend, verständlich und informativ.
Das dauert.
Eine ganze Weile sogar.
Zusätzlich muss Kalle mit Ulla diskutieren.
Über Fristen.
Über Summen.
Über das Equipment.
Ulla ihrerseits muss mit Arno diskutieren.
Über Equipment.
Über Kosten.
Über Sinn und Unsinn von Anschaffungen.
Arno durchforstet derweil das Internet nach guten Angeboten.
Mikrofone.
Boxen.
Und immer wieder dieses rote Klavier,
das durch seine Gehirnzellen geistert.
Was ist für uns gut?
Was ist überdimensioniert?
Was zu teuer?
Und was definitiv nicht gut genug?
Doch auch hier möchte Ulla ein Wörtchen mitreden.
Also diskutiert Ulla wieder mit Kalle:
über Ziele,
über Texte,
über Bilder,
über Inhalte.
Und langsam – ganz langsam –
nimmt die Idee ihren Lauf.
Der erste Entwurf entsteht.
Ulla ist begeistert.
Und Kalle auch.
Arno hingegen sieht vor seinem geistigen Auge schon
einen großen Chor,
große Boxen,
viele Mikrofone
und …
einen Chorleiter
an seinem größten Traum -
einem roten Klavier.
Geschichten aus dem Chorleben - Teil 1
Wie aus einer glühweinseligen Idee etwas Großes entstand
Dezember 2025.
Ein Chor feiert Weihnachtsfeier. Der Glühwein fließt reichlich.
Die Stimmung ist ausgelassen – stellenweise aber auch ein wenig frustriert.
Mit Freude werden zwei großartige Gospeldinner in Erinnerung gerufen, die innerhalb von nur 36 Stunden restlos ausverkauft waren – ein voller Erfolg und wunderbare Erlebnisse für alle Beteiligten.
Doch da ist auch die Kehrseite:
Vier Anfragen für weihnachtliche Auftritte mussten abgesagt werden.
Der Grund? Zu wenige Sängerinnen und Sänger – und zu wenig Technik.
Zu vorgerückter Stunde setzt sich Kalle mit einem Becher Glühwein zu Ulla und sagt:
„Du hör mal, ich hab da eine Idee …“
Ulla schaut ihn wohl eher sparsam an. Das veranlasst Kalle zu dem vielsagenden Nachsatz:
„...ich kann das auch unterstützen!“
Ulla denkt sich vermutlich: Super, ich halte die Hand darüber – und Kalle kümmert sich.
Sie gibt grünes Licht.
Und so nimmt das Schicksal seinen Lauf.
In der probenfreien Zeit über die Feiertage wird die Idee weitergedacht.
Kalle holt erste Informationen ein und teilt sie mit Ulla.
Schon bald zeigt sich:
Willkommen in Bürokratie-Deutschland – ohne Papierkrieg läuft hier gar nichts.
Ulla informiert den Chorvorstand über den aktuellen Stand.
Die Mädels sind begeistert von der Idee und geben ihrerseits grünes Licht.
Barbara und Ulla stellen Kalle schließlich eine Vollmacht aus.
Und dann ging es los.