Einer der wichtigsten kulturellen Treffpunkte der Altstadt.
Viele Dachauerinnen und Dachauer haben diesen Ort vermisst. Manche
haben gesagt, das Gramsci ist in einem halben Jahr vergessen –
dem war nicht so!
Entstanden ist das Gramsci durch Menschen, die Dachau geprägt
haben:
Heinz Bielmeier (Brücke), Michael Braun (Sonderbar), Anja
Podewills & Christian Salvermoser (Gründer des Gramsci),
Sabine Seeholzer & das Team vom Jetzt e.V.
Das Gramsci und der Alte Metzgerhof war ein Ort, an dem sich
alle begegnen konnten – Künstler, Landrat, Bürgermeister,
Politiker, Studierende, Handwerker, Menschen aus jedem
Lebensbereich.
Vor zwei Jahren musste das Café Gramsci schließen.
Lebensgefahr. Die Statik, die Technik – alles nicht mehr sicher.
In den maroden Kasten wollte die Stadt, der das Gebäude gehört,
keinen einzigen Euro mehr stecken, Kultkneipe hin oder her. Das
Mobiliar landete auf dem Sperrmüll. Das Schicksal dieser kleinen
Oase der Subkultur schien damit besiegelt. Natürlich gab es Leute,
die sagten, da müsse doch was unternommen werden. Unterschriften
sammeln. Eine Initiative gründen. Crowdfunding. Irgend sowas. Aber
je mehr Zeit verstrich, desto mehr verblassten die Hoffnungen.
Manfred Huber lehnt lässig am Tresen, lang und drahtig, ein
Käppi auf dem Kopf. Er ist Vorsitzender des Vereins
„Gramsci-Kult“. Gegründet wurde der kleine Verein, um ein
Wunder zu vollbringen: das Café Gramsci wieder zu einem lebendigen
Treffpunkt in der Dachauer Altstadt zu machen. Und es sieht so aus,
als könnte auf dem Weg dahin nichts mehr schiefgehen. Die Elektrik
ist fertig, die Löcher in den Wänden zugespachtelt, und unter dem
Malervlies sieht der geschliffene Parkettboden schon wieder aus wie
neu.
Es ist Freitag, später Nachmittag, die meisten Handwerker haben
Feierabend. Im Gramsci legen sie jetzt erst richtig los, Profis in
ehrenamtlicher Mission. Was geht, machen sie in Eigenleistung.
Damit kann man sich einen Haufen Geld sparen. Material müssen sie
trotzdem kaufen, um das Lokal wieder auf Vordermann zu bringen. Die
Heizungsanlage war komplett hinüber, das Dach undicht. Ein Mann
klettert über die freigelegten Dachsparren. „Wir müssen noch
ein paar Balken ersetzen“, erklärt Huber. Er muss laut reden.
Aus dem Ghettoblaster scheppert Musik von Rio Reiser. Früher war
das der Soundtrack der Hausbesetzer-Szene. Aber Rebellen sind sie
keine.