Kirchen sind zuallererst Räume, in denen sich Gläubige zum
Gebet und zum Gottesdienst versammeln. Die Kirche St. Stephan aber
ist mehr – sie ist nicht nur Pfarrkirche, sondern Kulturgut - ein
Hauptanziehungspunkt für jährlich Zehntausende Touristen aus
aller Welt. Die Menschen kommen hierher, möchten mehr erfahren
über die weltberühmten Fenster von Marc Chagall und wie es dazu
kam, dass ein jüdischer Künstler solche Werke von einzigartiger
Schönheit für eine katholische Kirche schuf.
St. Stephan erlebte durch die Jahrhunderte eine wechselvolle
Geschichte. Um 990 gründete Erzbischof Willigis von Mainz die
Kirche. Anstelle der romanischen Basilika wurde im 13. und 14.
Jahrhundert eine gotische Hallenkirche errichtet, deren Substanz
bis heute überdauert hat, ebenso wie der Kreuzgang aus dem 15.
Jahrhundert.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde St. Stephan drei Mal von
Bomben getroffen. Besonders verheerend waren die Zerstörungen
durch das Bombardement von Mainz am 27. Februar 1945. Erhalten
blieben nur die Außenmauern, die Säulen und wenige Gewölbereste.
Der Turm konnte mit knapper Not gerettet werden. 1959 wurde die
Kirche nach ihrem Wiederaufbau neu geweiht, aber bis heute sind
Kriegsschäden sichtbar. Umso größere Bedeutung besitzen die
aufgrund der Bemühungen des damaligen Pfarrers Monsignore Klaus
Mayer ab 1978 eingebauten Fenster Marc Chagalls und seines
Schülers Charles Marq.
Erst 2008 erhielt St. Stephan ein neues Geläut. 2013 eine
würdige, von der Firma Klais erbaute Orgel, in deren Orgelpfeifen
sich auf spektakuläre Weise die Chagall-Fenster spiegeln.
Die biblischen Botschaften der Glaskunstwerke Marc Chagalls
werden zwar durch einen Audioguide und eine Reihe von gedruckten
Publikationen erschlossen, die an einem Schriftenstand in der
Kirche von Ehrenamtlichen verkauft werden. Und es gibt einige
Stellwände, die einen Zugang zur Geschichte und den Kunstschätzen
von St. Stephan vermitteln. Was indes fehlt, ist ein umfassendes
niedrigschwelliges, weil kostenfreies Informationsangebot.