Eine Aufführung von Goethes "Faust – Der Tragödie
erster Teil" sollte sich in einer Landeshauptstadt
regelmäßig im Spielplan befinden.
Die Kammerspiele Magdeburg haben sich dieser Aufgabe gestellt
und die Fachpresse bewertete die Inszenierung wie folgt: "Dass
man für große Stoffe nicht unbedingt große Bühnen braucht,
stellen die Kammerspiele eindrucksvoll unter Beweis. Ihre Fassung
des deutschen Bühnenklassikers schlechthin kam im Forum Gestaltung
zur Premiere. Pralles, buntes Volkstheater in allen Ecken des
Hauses.- Oliver Breite gibt einen getriebenen Faust, der in einer
Mischung aus ungestilltem Forscherdrang und Midlife Crisis das
Leben verpasst. Selten hat man den "Osterspaziergang",
den das Publikum fast mitsprechen konnte, so intensiv erlebt.
Grandios wandelt Breite auf dem schmalen Grat zwischen
Verzweiflung, Ratlosigkeit und Todessehnsucht, aber auch bitterem
Spott auf das sich vergnügende Volk. Kongenial tragikomisch dazu
Beate Fischer als weiblicher Wagner, eine attraktive, aber etwas
scheue Assistentin, deren Annäherungsversuche von Faust
wahrscheinlich schon seit Jahren übersehen werden. - Wie aus der
Zeit gefallen dann Mephisto, ein Fest für Susanne Bard, die den
Teufel zur Freude des Publikums regelrecht zelebriert! Mit viel
Slapstick spielt sie wie um ihr Leben, geht es doch schließlich um
nichts Geringeres als die Herrschaft im Himmel. Zart und unschuldig
dagegen Friederike Walter als Gretchen, schön ausgearbeitet ihre
Wandlung vom naiven, erstmals verliebten Mädchen zur schließlich
in den Wahnsinn getriebenen Ausgestoßenen. Die vor allem auch für
Schulklassen zu empfehlende Inszenierung lebt von der geschickten
Kombination von Laiendarstellern und Profis. Großer, verdienter
Applaus."